Review: Hydrophobia

Mit der heutigen Technologie ist es möglich verschiedenste Elemente der Physik realistisch in ein Spiel zu integrieren. Rechnerisch korrekte Kollisionen und das authentisches Bewegungsverhalten von Ragdolls sind schon längst Standard.

Der Entwickler Dark Energy Digital hat sich nun gedacht, das Element Wasser und dessen fluide Eigenschaft im Spiel Hydrophobia einzusetzen. Reicht dieses Feature, um im Xbox Live Arcade sprichwörtlich große Wellen zu schlagen?

Um zu verstehen wie das Gameplay von Hydrophobia funktioniert, muss man sich die Engine in der Theorie ansehen. Es kommt die eigens entwickelte HydroEngine zum Einsatz. Dank dieser Engine wird die Physik von Wasser (Strömungsverhalten, Kraftwirkung, Bewegung) so real wie möglich dargestellt und es beeinflusst sogar die einzelnen Level. Gedankenexperiment: Angenommen ein Raum ist voller Wasser, ein anderer ist vollkommen leer – beide Räume werden nur durch eine Tür getrennt. Öffnet man diese Tür schießt logischerweise das Wasser in den leeren Raum und füllt diesen langsam auf. Genau das ist das Hauptfeature der Engine sowie des eigentlichen Spiels.

Am Papier klingt das doch ziemlich spannend und man muss kein großer Gamedesigner sein, um sich die schier unendlichen Gameplay Möglichkeiten auszudenken. Wie schaut es nun mit Hydrophobia in der Praxis aus? Die Story versetzt uns in eine dystopische Welt in der Überbevölkerung herrscht und die einzige Lösung darin liegt stadtgroße Schiffe durch die Ozeane ziehen zu lassen. Die Protagonistin Kate Wilson lebt eben auf so einem Schiff und wird Zeuge eines terroristischen Bombenangriffs. Das Schiff droht zu sinken und die Menschen darin zu ertrinken – die Heldin muss einen Ausweg finden.

Wie man unschwer erkennen kann passt das Szenario wie angegossen zur realistischen Wasserberechnung der Engine, doch die Entwickler haben sich hier zu wenig einfallen lassen. Im Grunde ist das Spiel eine Mischung aus Jump n’ Run, Puzzle und Stealth Action. Es ist immer das Element Wasser im Mittelpunkt und das dient wiederum, um im Spiel weiter zu kommen.

Leider sind solche Sequenzen ziemlich redundant. Entweder muss man nur einen Knopf drücken, vor Wassermassen flüchten oder verzweifelt nach einer Spur mit einem Detektor suchen. Das gesamte Spiel ist total linear und bietet zu wenig Spannung. Im Laufe des Spieles verändern sich die Level aufgrund des Wasserpegels ständig, doch das ändert nichts an der fehlenden Abwechslung.

In Hydrophobia begegnet man auch bewaffneten Gegnern, die man unter anderem durch Tricks ausschalten kann. Mittels einer speziellen Waffe lassen sich schwimmende Fässer direkt zum Feind verschieben und dann kann man diese zum Explodieren bringen. Durch einen gezielten Schuss auf ein Glasfenster eines wassergefüllten Raumes, ist es auch möglich den Gegner mit dem Wasserdruck ohnmächtig zu schlagen. Diese Spielereien sind zwar alle gut gemeint, aber wiederholen sich viel zu oft.

Die Technik von Hydrophobia funktioniert zwar einwandfrei, aber die Synchronisation der Stimmen ist total schlecht – selbst auf englisch. In dramatischen Situationen kommt das Feeling überhaupt nicht rüber und das dämpft die Glaubwürdigkeit des Spieles. Da wäre wesentlich mehr Feindschliff nötig gewesen.


Fazit:

Hydrophobia klingt am Papier total interessant, doch die Umsetzung ist viel zu mittelmäßig. Es scheint so als hätten sich die Entwickler viel zu sehr auf die Engine und den realistischen Wasserfluss konzentriert und dabei nur schnell ein Spiel rundherum gebastelt.

Es werden zwar die Stärken und die Features der HydroEngine gezeigt, doch viel zu unspektakulär um den Spieler länger am Bildschirm zu fesseln. Für 1200 MS Points schwimmen im großen Xbox Live Arcade Meer bessere Titel umher.

Danke an Microsoft für das Testmuster!

Post von JoeBlack | 06 Oct 2010 | 20:12 pm and tagged , ,


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