Review: Disciples III

Ich hab mich wahnsinnig gefreut auf Disciples III. Nachdem sowohl Heroes of Might and Magic V als auch King’s Bounty schon eine Weile her waren, konnte der rundenbasierte Stratege (mit Rollenspielelementen!) in mir kaum noch die Download- und Installationsdauer abwarten.

Was sich mir in den folgenden Stunden präsentierte, empfand ich dann mit Gefühlen, die weit gemischter waren, als die Genres dieses Spiels…

Den ersten Eindruck begrüßte ein stimmiges Spielchen, das grafisch auf jeden Fall mehr kann, als es für meine Ansprüche können müsste und mich abgesehen von den längeren Einleitungen zu Beginn eines Kapitels auch mit endlosem Gelaber, wie es vor allem in King’s Bounty meine Nerven strapazierte, in Ruhe ließ. Ich befürworte Hintergrundgeschichten in einem Spiel, aber eineinhalb Seiten für „Hey, kannst bitte die Wölfe killen, die meine Schafe essen!“ ist dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Die Story von Disciples ist (wie bei 99,7% aller anderen Spiele auch) nichts besonderes, aber wenigstens gibt sie das unumschwungen zu und lässt sich dadurch immer gut verfolgen.

Erste Mängel fallen vor allem schnell mal bei den verschiedenen Interfaces auf, die öfter so wirken, als hätte das Spiel nicht genug QA durchlaufen und Feinschliff erhalten. So lässt sich zum Beispiel das Inventar des Helden nur Klick für Klick durchscrollen, wobei nur zwei Spalten angezeigt werden, es aber schnell mal auf sechs oder mehr anwächst. Auch Informationen (z.B. über Upgrades) sind oft nicht so zugänglich, wie sie das sein könnten.

An dieses Stelle sollte man vielleicht auch noch über den Skill-Tree sprechen, der vor allem eines nicht ist: Ein Baum. Es ist mehr eine Art Schachfeld mit einigen Löchern und Ausläufern. Die Skills und Upgrades darauf scheinen allerdings mehr oder weniger zufällig verteilt. Wenn man nun also eine der zusätzlichen Heldenfähigkeiten wie Rundumschlag oder magische Barriere, die sich natürlich meistens am Ende eines der Arme befinden, erhalten will, so muss man erst einmal mit dem Skill nicht in Zusammenhang stehende Upgrades wie „mehr Feuerresistenz“ oder „erhöhte Agilität“ auswählen.

Eigentlich finde ich das System sogar recht interessant, es ist nur schade, dass man sich dabei zwar auf dem „Skill-Brett“ klar in eine Richtung entwickelt, im Spiel aber wenige Unterschiede durch die gewählten Aufwertungen entstehen. Aber all das ist eigentlich verkraftbar und das Wichtigste in so einem Spiel sind eben doch die Kämpfe. Die sind aber leider auch nicht ganz so, wie vielleicht sein könnten.

Viele gute Ideen wie Felder auf denen jeweils Nah-, Fern- oder Magieattacken verstärkt werden und das Deckungssystem das Nahkämpfer auf vorbeilaufende Gegner einschlagen lässt, wirken entweder nicht ganz ausgereift und zu Ende gedacht oder werden durch Unzulänglichkeiten oder Balanceschwächen überschattet.

Die Skills des Kriegers, der als Erster an der Reihe war, konnte ich zum Beispiel bei jedem zweiten bis dritten Kampf nicht in der ersten Runde einsetzen. Das ist vor allem deshalb blöd, weil etwas wie „jetzt nix machen, dafür nächste Runde zweimal zuschlagen“ de facto nur in der ersten Runde Sinn macht. Ganz schlüssig erscheint mir auch nicht die „Defensive Stance“ (Verteidigungshaltung), die den ersten Angriff abschwächen kann.

Wenn nämlich der erste Angriff ein Critical Hit ist, die wiederum etwas Häufig vorkommen (so ca. jeder 3., 4. Schlag) und Rüstung wie auch alles andere ignorieren, dann ist die defensive Haltung bei einem eventuellen zweiten, nicht-kritischen Treffer noch aufrecht. Da wird also einer komplett umgewutzt, steht wieder auf und kann sich auf einen zweiten Schlag vorbereiten, wenn er den Ersten aber gekonnt entschärft, dem bleibt nichts die volle Wucht des Nächsten abzuwarten.

Hätte ich nicht dieses Review geschrieben, wäre das Spiel wohl noch gegen Ende der ersten von drei Kampagnen von meiner Festplatte verschwunden. So habe ich mir dann aber doch noch etwas Spaß aus dem Spiel rausgekratzt. Wenn die Kämpfe zu leicht waren, habe ich mir einfach als Ziel gesetzt, unbeschadet das Schlachtfeld zu verlassen. Außerdem gibt es ja auch in jedem Akt 1, 2 Gegner (einige Bewacher von Burgen, manchmal auch von Schätzen), die man nicht unbedingt besiegen muss, die dafür aber eine entsprechende Herausforderung bieten und mich endlich einmal zum Einsetzen all meiner Zauber zwangen. Für jeden der das Genre mag, kann das Spiel also unter Umständen ein gar nicht so schlechter Zeitmörder werden, vorausgesetzt, man hat King’s Bounty und HOMM V schon durch – denn die bleiben weiter die unangefochtenen Genre-Pimps…

TL;DR: Das Spiel (vor allem die UI) wirkt ein bisserl unfertig. U.a. schwaches Balancing macht taktieren stellenweise unmöglich und mit ausreichend hohem Level unnötig. Es ist sicher nicht ungenießbar schlecht, aber selbst Genre-Fans sollten erstmal „antesten“.

Post von fossey | 02 Sep 2010 | 18:52 pm and tagged , , , ,


Ein Kommentar für “Review: Disciples III”

  1. shit, hab mir schon gedacht das is was für hardcore naughty bear zocker, tarääm-

Rede mit!