Empire: Total War // Review

Für Strategiefans ist die Total War Reihe schon länger ein Begriff. Titel wie Rome: Total War und Medieval 2: Total War waren trotz der verbuggten Releases in späterer Folge absolute Toptitel. Kann der neueste Streich der Truppe von Creative Assembly, Empire: Total War, mithalten?
Die Antwort ist ein eindeutiges “Ja”! Langjährige Fans waren von Anfang an skeptisch ob durch die Verlegung des Franchises in das 18. Jahrhundert nicht zu viel vom Flair der Schlachten verloren geht, da man sich damit in das Zeitalter der Musketen und Artillerie begibt. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Zwar fallen viele alte Taktiken weg, aber durch den Wechsel in ein Jahrhundert welches sich von den Vorgängern in Sachen Kriegsführung komplett unterscheidet, hat man der Serie auf jeden Fall etwas Gutes getan.
Natürlich kann man seine Schlachtpläne aus den alten Teilen nicht mehr 1:1 umlegen (so wie es noch in Rome und Medieval gegangen ist), viel mehr muss man jetzt neue Mittel und Wege finden seine Gegner vom Schlachtfeld zu vertreiben. Dies geschieht jetzt zu einem großen Teil dadurch, dass ihr eure Einheiten richtig positioniert. Dies bezieht sich hauptsächliche auf eure Infanterie, aber auch eure Artillerie will richtig aufgestellt werden, sobald ihr die mobile Variante davon erforscht habt.
Infanterie kann man jetzt übrigens auch in Gebäuden verschanzen. Leider ist dieses Feature mehr schlecht als recht implementiert, da man nur in gewissen Gebäuden Stellung beziehen kann. Warum? Das weiß nur Creative Assembly.
Neu sind auch die Siege Battles in denen ihr entweder ein Fort angreift und versucht es einzunehmen, oder die Rolle des Verteidigers übernehmt und den Sandlern die da euer Mauern raufklettern eines mit dem Bayonett überzieht. Die Eroberung eines befestigten Stützpunktes dauert normalerweise länger als eine durchschnittliche Schlacht, dafür seht ihr auch wie eure Mannen mit Enterhaken versuchen die Mauern zu erklimmen und wie eure Artillerie Löcher in die Befestigungen reisst. Leider ist die Wegfindung der KI in solchen Schlachten manchmal nicht die Crème de la Crème und bleibt ab und zu bei den Aufgängen zu diversen Rampen stehen und fängt an in der Nase herumzubohren.

Wenn die Frühpatrouille naaaaaht…
Die Neuerungen hören aber noch nicht auf, in Empire: Total War gibt es auch erstmals Seeschlachten. Früher konnten diese nur durch den Computer berechnet werden, doch im neuesten Teil darf man auch selbst mal Admiral spielen.
Der Krieg zur See ist nichts für die Ungeduldigen unter uns, da man oft auch auf der höchsten Geschwindigkeitsstufe warten muss, bis es zu Auseinandersetzungen kommt. Bis dahin habt ihr genug Zeit eure Schiffe richtig aufzureihen und euch in Position zu begeben um eurem Feind (bevorzugt den dreckigen Franzosen) eine Breitseite reinzujagen.
Jedes eurer Schiffe hat die Auswahl zwischen 3 Munitionstypen. Einer sind normale Kanonenkugeln, die ihr verwendet um die Hülle zu beschädigen, die zweite Variante sind aneinandergekettete Kugeln mit denen ihr die Masten der feindlichen Schiffe zu Fall bringen könnt und zu guter Letzt gibt es auch noch einen Streuschuss, der im Nahkampf die gegnerische Crew in kürzester Zeit dezimiert. Und wenn das alles nichts hilft, muss man den feindlichen Kahn einfach entern. Piratenstyle. ARRRR!
Die Schlachten auf den Gewässern können sich übrigens sehen lassen! Auf jedem Schiff tummelt sich die Besatzung herum, hisst die Segel, schießt auf gegnerische Schiffe rüber, läd die Kanonen nach etc. Das Wasser selbst sieht super aus und der Wellengang hat auch Auswirkungen auf die Zielgenauigkeit eurer Schiffe, genauso wie der Wind die Geschwindigkeit beeinflusst.

FETZEREI!
Das war’s bezüglich der Neuerungen in den Schlachten, jetzt geht’s auf zur Weltkarte
Die Total War Reihe war schon immer für das diplomatischen Verhalten der KI bekannt. Im negativen Sinne. Manche Nationen unterschrieben einen Friedensvertrag, nur um ihn in der selben Runde wieder zu brechen und manche Länder weigerten sich auch nach einer kompletten Dezimierung ihrer Regionen einen Waffenstillstand anzunehmen.
In Empires hat sich das (großteils) geändert. Wenn ihr über einen Gegner drübermarschiert und er keine Chance hat, wird er euer Friedensangebot nur allzu gerne annehmen, auch wenn er dafür 2 Provinzen lassen muss. Schwächere Nationen die das Pech haben eure Nachbarn zu sein, werden sich darüber freuen euer Protektorat sein zu dürfen. Allianzen werden nur mehr dann gebrochen, wenn ihr eure Pflichten als Partner vernachlässigt oder eure Siedlungen komplett unverteidigt lasst. Dann marschiert sogar der treueste Verbündete ein und schnappt sich eure Provinzen.
Natürlich, perfekt ist das System noch immer nicht, aber es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Die größte, und meines Erachtens beste Neuerung ist aber die, das eure Gebäude jetzt zu einem nicht zu vernachlässigten Teil auf eure ganze Provinz in Städte aufgeteilt sind. Städte sind im prinzip Orte, an denen ihr eines von 4 Arten von Gebäuden baut. Farmen, Schulen, Kirchen oder Amusements. Produktionsgebäude stehen bis auf Häfen noch immer in den Hauptstädten der jeweiligen Provinz, aber eurer Ekonomie kann bei mangelnder Verteidigung schnell der Garaus gemacht werden.

Diplomatie und Forschung kommen diesmal definitiv nicht zu kurz.
Natürlich macht das für Nationen wie Preußen, die mit extrem kleinen Länderein starten nicht viel Unterschied, aber Leute die zB. Russland oder Frankreich spielen, werden das schnell zu spüren bekommen. So kann man jetzt den Gegner aushungern lassen, in dem man seine Schulen und Farmen außerhalb der Stadt einfach belagert oder niederbrennt. Dadurch zwingt man den Opponenten zu einem aggressiveren Vorgehen und kann so eventuell seine Hauptstadt leichter erobern. Aber nicht nur das, dadurch wird man auch selbst dazu angeregt, immer eine Armee außerhalb der Stadt parat zu haben, da man sonst auf feindliche Übergriffe nur schwer reagieren kann.
Nett ist auch, dass sich das Geschehen jetzt gleichzeitig in Indien, Europa und Amerika abspielt. So könnt ihr euren Entdeckertrieben nach Lust und Laune nachgehen, die Karte ist nämlich so groß wie nie!
Der Multiplayer bietet zur Zeit “nur” die typische Kost; Schlachten. Ihr wählt eure Nation aus, kauft euch genug Einheiten, und haut eurem Gegner (hex!) den Kopf ein bis ihr gewinnt. Ist spaßig, aber da Creative Assembly einen richtigen Multiplayermodus mit Strategiekarte angekündigt hat, darf man das Ganze meiner Meinung nach nur als gut gemachten Füller bezeichnen.

Achievements und Statistiken gibt es auch.
Für Anfänger ist übrigens eine Minikampagne namens “Road to Independence” integriert, in der euch das Spiel und seine Kniffe relativ gut näher gebracht werden. Im Prinzip ist’s ein Tutorial, aber das Ganze ist ziemlich gut verpackt, da ihr Amerika auf den Weg in die Unabhängigkeit begleitet und doch so einiges erlebt.
Fazit:
Empire: Total War ist ein super Titel. Es wurde viel verbessert und konsequent weiterentwickelt. Für Strategiefans ist dieses Spiel sicherlich sehr empfehlenswert, denn vom Gameplay bis auf den Sound und die Grafik stimmt einfach (fast) alles.
Warum nur fast? Bugs. Ich selbst hatte während meinen 20 Stunden Spielzeit zwar nur einen einzigen Bug, aber im Anbetracht dessen, dass viele Leute Probleme haben wie zB. eine KI die nicht reagiert, oder Schiffe die mitten am Meer stecken bleiben, fällt es mir schwer eine uneingeschränkte Empfehlung abzugeben. Abgesehen davon ist es zur Zeit fast unmöglich gegen Piraten zu gewinnen, da die zu einem Großteil Flutes verwenden, und die aus unerfindlichen Gründen fast unzerstörbar sind. Für diese Woche ist aber ein Patch angekündigt, und wenn dieser genug Fehler ausmerzt, gibt es für Hobbygeneräle sicherlich keinen Grund mehr auf dieses Meisterwerk zu verzichten. Und für alle Leute denen 12 Nationen zu wenig sind: Es gibt schon eine Modifikation, die auch mit fast jedem Land spielen lässt.
Ein gestern erschienener Patch schafft zwar Abhilfe bei den Problemen mit den Trade Routes, aber einige Dinge müssen noch immer nachgeholt werden.
Ein kleines Nachwort zum Fazit: Wir haben uns dazu entschlossen, von Prozentwertungen abzusehen. Die Meinung des Testers sollte man aus dem Text herauslesen können, und ob ein Spiel nun 72 oder 74% bekommt ist in Wirklichkeit scheißegal. Dafür bekommen besonders herausragende Titel Awards, zB. wenn sie in ihrem Genre die Referenz sind oder andere Dinge richtig machen. Den Anfang macht Empire: Total war mit der goldenen Kanone, dem Award für besonders gute Strategiespiele. Trotz einiger Mängel, gibt es in diesem Genre kaum ein Spiel, welches diesem Titel das Wasser reichen kann.














