Underground Rocket: The Path // Hands On

Path Logo Preview

Von Zeit zu Zeit kommt ein Spiel, welches die Grenzen des Möglichen ausweitet. Manche erreichen dies durch eine Grafikrevolution, manche durch ein neues Gameplayelement. Und dann gibt es The Path von dem belgischen Entwicklerduo Tale of Tales, welches einfach alles anders macht. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr nach einem kleinen Spaziergang auf unserem Pfad.

Ein Spiel wie The Path, welches in dem Sinne kein Spiel ist, in Worte zu fassen, ist eines der schwierigsten Dinge die ich jemals tun musste. Hier geht es nur begrenzt um das Gameplay an sich, viel mehr geht es um die kleinen Mädchen, und wie man mit ihnen ihre kurze Geschichte durchlebt.

Gleich zu Beginn wählt ihr eine von sechs Schwestern aus, die auch sogleich mit einem Körbchen gefüllt mit Wein und Brot zu ihrer Großmutter in den Wald geschickt wird. Nach eurer Auswahl seht ihr den Pfad vor euch und die Kamera schwenkt langsam zu eurer Protagonistin. Im Hintergrund seht ihr die Stadt aus der ihr kommt und vor euch seht ihr den Pfad. Sobald ihr die Kontrolle über euren Schützling erhält, bekommt ihr gleich euren ersten und einzigen Auftrag: “Stay on the Path!”.

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Hätte ich doch nur Brotkrümel verstreut…

Hier beginnt der Zwiespalt. Wenn ihr am Weg bleibt und direkt in das Häuschen der Großmutter geht, überlebt das Mädchen und alle sind glücklich und froh. Leider (oder doch nicht?) gibt es am Ende eurer Reise ein Ranking, und lebt die Kleine dann noch, so bekommt ihr eine schlechte Bewertung und ein dickes, fettes Failure.
Ja, ihr bekommt eine “Strafe” dafür, dass ihr euch an die einzige Regel des Spiels haltet.

Eure Aufgabe besteht nämlich darin diese zu brechen. Ihr sollt in den Wald gehen und ihr sollt dort umkommen. Sobald ihr einmal drinnen seid, könnt ihr nur noch hinaus, wenn ihr euren Wolf getroffen habt. Wölfe in The Path müssen nicht zwangsweise Tiere sein. Jede Schwester hat einen eigenen Nemesis, und jeder sieht anders aus. Wichtig ist nur ihn zu finden und mit ihm zu interagieren.
Im Wald könnt ihr verschiedene Orte finden, zum Beispiel einen Friedhof mit einem abgestorben Baum am Hügel oder einen verlassenen Spielplatz. Jede Location bietet Objekte mit denen ihr interagieren könnt, doch für die meisten Dinge müsst ihr eine spezielle Schwester dabei haben. So kann nur Scarlett zB. mit einer alten, verrosteten Badewanne mitten im Wald etwas anfangen.

Was euch das bringt? Garnichts. Eventuell ein besseres Rating und ein paar Geheimräume in Großmutters Haus, aber das war’s. Ihr seht wie eure Sister voller Neugierde den Wald erkundet und mit den Dingen herumhantiert, aber das war’s. Doch glaubt mir, wenn ihr euch auf diese Art von Spiel, wo es nicht um das Gameplay sondern um die Reise geht einlasst, werdet ihr mit einer extrem tollen Atmosphäre belohnt.
Der Sound passt, ihr hört Frauen jammern, ihr hört euer Herz im Wald klopfen, ihr hört komische, grausliche Geräusche an allen Ecken und Enden etc.

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Heute geh ich in den Wald! Oder doch nicht? Hm.

Sobald ihr euren Wolf getroffen habt, findet ihr euch am Pfad wieder. Nur liegt euer Mädel zuerst ziemlich leblos am Boden. Wie tot. Doch nach einer Minute steht sie auf, mit dem Kopf nach unten, kaum noch in der Lage zu gehen. Regnen wird es auch, und die Musik wird durch das Plätschern des Regens ersetzt.
Habt ihr es mit Mühe und Not in die Hütte eurer Großmutter geschafft, erwartet euch ein Horrortripp sondergleichen: Die Lichter sind aus, die Musik ist Horror pur und eventuell bewegen sich die Wände auch noch und überall finden sich Dinge, die nicht in einer Hütte, die eurer verdammten Oma gehört, sein sollten.

Im Häuschen switcht das Spiel übrigens in die Egoperspektive und ihr könnt nichts mehr machen, als eine Taste für jeden Schritt (das soll den Zustand eurer Kleinen repräsentieren, wie sie sich mit letzter Kraft durch das Haus schleppt) zu drücken, und einen vorgegebenen Weg entlang zu gehen. Habt ihr den Rat eurer Mutter befolgt, passiert euch nichts. Doch wart ihr dumm genug um in den Wald zu gehen, werdet ihr vielleicht mit Stacheldraht zerstückelt. Vielleicht werdet ihr aber auch nur zerhackt, kommt auf die jeweilige Schwester an.

Ihr wisst noch immer nicht um was es wirklich geht? Ich auch nicht, und ich hab das Spiel gespielt. Ich weiß nur, dass ich meine Gamingsession am Abend beenden musste, weil ich die bedrückende Atmosphäre nicht mehr ausgehalten habe, und auch die Tode die ihr herbeiführen könnt sind teilweise hart an der Grenze des Erträglichen. Aber genau diese Umstände beweisen, dass Tale of Tales mit ihrem Experiment ihr Ziel erreicht haben. Ein Spiel das viel mehr einem Kunstprojekt gleicht und den Spieler nicht mehr loslässt.

Danke an Tale of Tales für die Möglichkeit die Beta-Version anzutesten!

Post von oargestory | 23 Feb 2009 | 12:08 pm and tagged , , ,


7 Kommentare für “Underground Rocket: The Path // Hands On”

  1. belgische kidz halten einfach mehr aus hrrr ;F

  2. Also soll man jetzt sterben oder seine Nemesis finden?
    Oder ergibt sich das eine aus dem anderen?
    Sind alle Möglichkeiten zu sterben gescripted?

    Check das “Spiel” echt nicht.

  3. Du musst den Wolf finden damit du überhaupt sterben kannst. Das ist das Ziel vom Spiel.

    Das Ende selbst ist gescripted, immerhin sinds ja auch nicht wirklich mehr als 2 Leute die das programmiert haben, deswegen ists okay. Aber in den Wald gehen und herumlaufen ist sehr heftig und super gemacht.

  4. [...] at Random Rocket have interrupted their usual menu of war simulations and Ego-Shooter for a little stroll through The Path. Auf Deutsch, selbstverständlich. Posted by Michaël Samyn on February 23, 2009 | Filed Under: [...]

  5. austrian kids haha

  6. Hm, hast du begriffen, dass das alles eine einzige Metapher für Vergewaltigung ist? Die Mädchen schleichen in den Wald, du musst sie in das jeweilige Szenario führen, in dem sie vergewaltigt und anschließend gekillt werden können. Jo, klingt nach Spaß! :-)

  7. Das Spiel ist keine Metapher für eine Vergewaltigung. Ich hab die Diskussion schon hunderte Male geführt, und das ist einfach Blödsinn. Klar, bei einem Mädchen wird am Ende direkt darauf hingewiesen, aber bei den restlichen Schwestern wird einfach nur ihr Tod gezeigt.
    Ich mein, The Path ist darauf ausgelegt dass sich der Spieler sein eigenes Bild davon macht, deswegen lass ich’s jetzt bleiben. Bezüglich Vergewaltigung haben sich die Entwickler schon im offiziellen Forum genug gerechtfertigt. Abgesehen davon: The Path ist ja kein richtiges Spiel. Und auch wenn es so wäre wie du es beschreibst, was wär so schlimm dran? Videospiel != Realität. Das der ganze Ansatz generell extrem geschmacklos ist, ist ja auch kein Geheimnis.

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